Am Mittelmeer. Konrad Helbigs fotografische Erkundungen 1954 - 1974

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Die Kombination von formaler Dokumentation und subjektivem Blick macht Konrad Helbigs (1917–1986) Fotografien zu eigenständigen Werken, die in ihrer wiedererkennbaren Bildsprache weit über bloße Ab-Bildungen hinausreichen. „Edle Einfalt und stille Größe“, diese von Winckelmann Mitte des 18. Jahrhunderts für die klassische Schönheit der griechischen Skulptur beschriebene Ästhetik war der Wegweiser durch eine von antiken Kulturen geprägte Landschaft.

Konrad Helbig: Kellner in Milazzo, 1958 
(SLUB/ Deutsche Fotothek)
Konrad Helbig: Kellner in Milazzo, 1958
(SLUB/ Deutsche Fotothek)

Als Fotograf und Kunsthistoriker bewegte sich Konrad Helbig seit 1954 auf Sizilien und auf dem italienischen Festland, in der Türkei und auf den griechischen Inseln systematisch auf den Spuren der Antike durch die verschiedenen Kulturlandschaften. Monatelang reiste er von archäologischer Stätte zu archäologischer Stätte und von Museum zu Museum, in hunderten erfolgreichen Diavorträgen vermittelte der mitreißende Redner anschließend seine Eindrücke von der „Magie des Südens“ in den Hörsälen und Kulturzentren des Nordens. „Huldigungen eines Nordländers an die Wunderwelt des tiefen Südens“ oder „Sizilien – Geschichte, Kunst und Lebenswirklichkeit eines Inselreiches“ betitelte er seine Vorträge.

Konrad Helbig: ohne Titel (Straßenszene), 1950er Jahre
(Stiftung F. C. Gundlach)
Konrad Helbig: ohne Titel (Straßenszene), 1950er Jahre
(Stiftung F. C. Gundlach)

Ausgehend von seinem Sehnsuchtsort Sizilien richtete Helbig, der wie viele Fotografen der 1950er und 1960er Jahre mit zwei Kameras parallel in Schwarzweiß und Farbe arbeitete, seinen Blick und sein Objektiv auf antike Architekturen, Skulpturen und Artefakte, auf mittelalterliche Kathedralen und barocke Prunkbauten im Mittelmeerraum ebenso wie auf die mediterranen Landschaften und die Menschen, die inmitten von Spuren vergangener Größe lebten und arbeiteten. Diese Aufnahmen sind der Kern seines fotografischen Schaffens.

Seither haben sich die Landschaften und vor allem die Lebenswirklichkeit ihrer Bewohner fundamental verändert, so dass Helbigs Fotografien ihrerseits als Zeugnisse einer vergangenen vorindustriellen Epoche erscheinen, die wir heute, nicht weniger idealisierend und sehnsuchtsvoll, als arkadisch zu betrachten geneigt sind.

Helbigs Fotografien sind derzeit im Rahmen der Reihe „Aus den Archiven“ im LVR-LandesMuseum Bonn in einer Ausstellung zu sehen, die in Zusammenarbeit der Deutschen Fotothek und der Stiftung F.C. Gundlach erarbeitet wurde (Konrad Helbig. Am Mittelmeer. Fotografische Erkundungen 1954–1985, 1. März bis 10. Juni 2018). Die Ausstellung fokussiert vor allem Helbigs Blick auf die Gegenwart, die er stets mit den Augen der Kunst betrachtete. Sie zeigt zudem erstmals auch kaum bekannte Coloraufnahmen des Fotografen aus dem Bestand der Deutschen Fotothek. Zur Ausstellung erscheint eine Begleitpublikation.

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