Über Honorare reden!

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Kunst / Nachrichten 18 Views

Aus aktuellem Anlass, bei dem es in einem kleinen Twittersturm um das unentgeltliche Schreiben auf Wissenschaftsblogs ging, das sich nur der Festangestellte, der auf eine berufliche Zukunft hinarbeitende Jungwissenschaftler oder der Freiberufler mit Leerlauf zwischen Projekten leisten können (was auch meine spärliche Präsenz auf diesem Blog hier erklären mag), möchte ich auf einen anderen Aspekt eingehen, mit dem man im Kunstbetrieb als KunsthistorikerIn, KuratorIn oder KunstkritikerIn freiberuflich Arbeitende immer wieder konfrontiert wird.

Denn die meisten von uns haben es schon getan: eine Rede zu einer Ausstellungseröffnung gehalten. Die Honorare sind vergleichsweise gering: 200 bis 600 Euro werden in der Regel gezahlt. Ich selbst habe schon Anfragen für 100 Euro erhalten und dankend abgelehnt. 100 Euro belasten vielleicht aus Auftraggebersicht ein ohnehin mickriges Ausstellungsbudget weniger als ein - in meinen Augen - Minimum von 400 Euro, mit einem bisschen Nachdenken müsste aber klar sein, dass hier weit unter Mindestlohn verhandelt wird, wenn man den Zeitaufwand für einen evtl. Atelier- oder Ausstellungsbesuch vorab, für Recherche und Anfahrt kalkulieren und vom Honorar noch Steuern und Abgaben bezahlen soll. Wie das mit 100 Euro gehen soll, bleibt mir ein Rätsel. Ist man dagegen ein „Promi“, wie z.B. ein pensionierter Museumdirektor oder auch Professor mit Renommee, die ohnehin versorgt sind, kann man schon mal 1400 Euro oder mehr verlangen, weil der Name auf der Einladungskarte zusätzlich für die Veranstaltung wirbt.


Leider hat der Verband Deutscher Kunsthistoriker zum Thema Eröffnungsrede noch immer keine Honorarempfehlung veröffentlicht. Das ist seltsam angesichts der vielen Reden zu Ausstellungseröffnungen, die täglich deutschlandweit gehalten werden. Dabei wäre es so einfach, wie es der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) vormacht.

Ich wünsche mir endlich mehr Diskussionen dieser Art und eine Sensibilisierung Festangestellter gegenüber den Freien. Die Schieflage wird sich in naher Zukunft nicht bessern. Immer mehr Freie konkurrieren untereinander bei gleichbleibender Weigerung der Institutionen, angemessene Honorare zu zahlen.

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